Deutsch ist mir Wurst!

Wenn Sprache durch den Magen geht

Vielleicht wäre es übertrieben, wenn man behauptet, dass viele Schüler an der DS denken: ,,Deutsch ist mir Wurst!” Vielleicht ist das aber auch gar nicht so abwegig. Vielleicht müsste der Satz einfach nur ein wenig genauer sein, etwa: ,,Deutsch ist mir Currywurst!” Das ist dann zwar immer noch kein richtiger Satz, aber was dahinter steckt, soll nicht vordergründig Sinn und Grammatik oder gar etwa Orthographie ergeben. Nein. Viel wichtiger an dem Satz ,,Deutsch ist mir Wurst!” ist Deutschland, die Sprache, die Traditionen, das Essen, die Kultur, all die Dinge, welche die Sinne ansprechen, die Erinnerung und die Identifikation mit alledem, was unsere schöne Sprache vermag.

Und weil das so spannend ist, hat sich die Klasse 7G in diesem Schuljahr zum Curriculumsinhalt ,,Vorgangsbeschreibung” der inzwischen traditionellen Aktion ,,Typisch Deutsch – Sprache geht durch den Magen” verschrieben und deutsche Rezepte nachgekocht.

Mitgebracht wurden Currywurst-Kreationen aller Art, Kartoffelsalate, selbstgebackene Brezeln, norddeutsche Rote Grütze und süddeutscher süBer Senf mit WeiBwürstchen. Letztere waren nicht selbstgemacht, aber zumindest selbstgekauft und es ging der Schülerin bei ihrer Vorgangsbeschreibung nicht um das Essen, sondern um die Art und Weise, wie man WeiBwürstchen in Deutschland essen kann als Vorgang. Das hier zugehörige Verb ist ,,zutzeln”.

WeiBwürste werden im Süden ,,gezutzelt”, wenn sie nicht mit Besteck gegessen werden. Wie das geht, wurde anschaulich erklärt. Für DaF und DFU ist es zudem auch wichtig und witzig, wenn genau solche Vokabeln an der dafür vorgesehenen Vokabeltafel landen. 

Nun drehen die Schüler der 7G abschlieBend zu ihren Kochkreationen noch Erklärvideos. Auch der Lehrer muss da mitmachen und beweisen, dass er auch liefern kann, was er von den Schülern verlangt. So entstand ein Video, in dem man sieht, wie man eine Deutsch-Chilenische Currywurst kocht.

Text und Idee – 7G (DS Santiago)

Erklärs’ doch einfach!

Dass Erklärfilme aktuell voll im Trend liegen, wäre milde ausgedrückt eine Untertreibung, denn das klingt schon fast, als könnte dieser Trend plötzlich wieder verschwinden. Man fragt sich als Lehrer neuerdings, wo Schüler eigentlich mehr lernen, im Unterricht oder zuhause vor dem Youtube-Channel, wo einem Gott und die Welt auf völlig neue, schnelle, unterhaltsame, leichte, tiefe, seichte, richtige und leider manchmal auch völlig falsche Weise erklärt wird. Erklärfilme aller Art kursieren im Netz als Fakenews, politische Einmischung, wissenschaftlicher Grabenkampf, Selbstdarstellung etc. und sollten in der Schule deshalb unbedingt eine Rolle spielen.

Doch welche Rolle können Lernvideos hier einnehmen? Gibt es nicht schon genug solcher Filme da draußen? Alleine im deutschen Sprachraum versuchen sich Tausende daran, ein grösseres Publikum als ihren unmittelbaren Dunstkreis mit selbstgedrehten Videos zu beglücken. Junge Menschen im Schüleralter erklären dabei meistens Lebensweltthemen, aber auch Schulisches und das alles in den letzten Jahren in technisch-schulmeisterlicher Perfektion, dass einem die Kinnlade vor Staunen herunterklappt. Hinzu kommt, dass es mittlerweile, dutzende Pädagogen, ganze Schulen und sogar einige Schulbuchverlage gibt, die Videos zum Lernen generieren oder mit eigenen Videoservern und -formaten aufwarten. Erklär mir die Welt gibt’s somit als Film, wozu sollen Schüler der DS jetzt also auch noch so etwas erstellen?

Der Grund ist ganz einfach: Lernvideos können schlicht den Wissenserwerb fördern, den Unterhaltungsfaktor liefern und technisches Lernen durch das Erstellen von Erklärvideos ermöglichen. Selbstverständlich bieten Erklärvideos auch in Bezug auf sprachliches und soziokulturelles Lernen unglaublich viel Potenzial. Der Clou ist aber nicht allein das Anschauen von Erklärvideos, wodurch man etwas lernen kann, nein, man lernt natürlich am meisten durch das Erstellen und zwar mehr, als nur den eigentlichen Inhaltsfokus der Videos. Man lernt, wie man es technisch und als Gruppe hinbekommt, ein solches Video zu erstellen. Daher brauchen wir mehr Erklärvideos, es gehört irgendwie schon zum Grundwissen heutzutage dazu, dass man sich auch digital ausdrücken kann.

Der 2. Erklärfilmwettbewerb der Deutschen Schule Santiago setzt hier an. Im Fokus der Jury stand die Erstellung der Erklärfilme, die nach bestimmten Kriterien ausgerichtet werden musste. Diese Kriterien waren, dass Deutsch gesprochen wird, dass alle Filmersteller sprechen sollen, dass der Vorgang richtig und unterrichtsbezogen erklärt werden musste und dies auf eine verständliche Weise. Diese Kriterien umzusetzen war nicht leicht, aber die Siegerehrung und die Ergebnisse sprechen für sich. In den über 50 eingereichten Filmen der Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 1 bis 12 spielten Fragen eine Rolle, wie etwa, was ist eigentlich der Unterschied zwischen „dass” und „das”? Wie funktioniert die lichtunabhängige Reaktion der Photosynthese? Welche Verkehrsregeln müssen wir auf dem Schulweg beachten? Bildet das Internet die Realität ab? Wie funktionieren Atomkraftwerke? Warum sind Bienen wichtig für die Welt? Wie rechnet man schlau? Warum sind Metalle biegsam? Oder: Warum feiern wir ausgerechnet am 3. Oktober den Tag der Deutschen Einheit? Schüler aus dem chilenischen und aus dem deutschen Bildungsgang reichten Videos ein. Sogar eine erste Klasse hat mitgemacht.

Ende März war es soweit: Die besten Filmemacher aus dem Deutschen und aus dem Chilenischen Bildungsgang wurden mit tollen Sachpreisen von Schulleitung, Schülerjury und Elternschaft prämiert. Neu hinzu kam in diesem Jahr die Sonderkategorie ,,Bestes Musikvideo”, in dem sich alles um den Tag der Deutschen Einheit dreht.
Doch nun, seht selbst!

 

Völlig losgelöst von der Sprache

Physik auf Deutsch kann so ätzend sein, es sei denn, man lässt mal die Schwerkraft der Sprache hinter sich, unter sich, und vergisst vor lauter Begeisterung, dass Deutsch kompliziert wirken kann, um gemeinsam abzuheben. Auf jeden Fall ist Christian Brills Art sprachsensiblen Unterricht in Naturwissenschaften zu gestalten, erfahr- und erlebbar und insofern ein Modell für Unterrichtsfächer, die sich öfter mal loslösen wollen und müssen von der vergleichsweise trockeneren Arbeit mit den Fachzielen im Klassenzimmer in deutscher Sprache.

NASA-Astronauten Paul Scott ,,Paco” Lockhart und Klaus von Storch mit Schülern der 8. Klasse der DS Santiago

Um vor dem Schuljahresende noch einmal so richtig die Schüler in stabile Umlaufbahnen zu katapultieren, in denen sich alles um die Physik und ihre Wunder dreht, entschied sich der bekennende Roboter-Bauer Christian Brill in diesem Jahr dazu, mit den Schülern der 8. Klassen Wasserraketen zu basteln. Hierzu wurden Vokabeln im Unterricht vorentlastet und mit dem Fach Technologie gemeinsam Startvorrichtungen und Raketen konstruiert.

Schüler der 8. Klasse der DS Santiago beim Starten einer Wasserrakete

Die zu rund einem Drittel mit Wasser gefüllten Raketen wurden mit 3 Bar Luftdruck aufgepumpt und erreichten nach dem Start eine Höhe von 50 bis 60 Metern. Kim Jong Un und Donald Trump haben nicht angerufen und gedroht, dass ihre Knöpfe größer wären, was für den grundsoliden Aufbau der DS-Raketen spricht. Auch China und Russland mobilisierten keine Truppen und das rote Telefon unseres Schulleiters Dr. Markus Stobrawe bimmelte nicht. Einzig hör- und spürbar war die gespannte Begeisterung der Schüler vor und während der Raketenstarts, die druckvoll zischenden Geräusche der Wasserrückstöße und die Aufschläge der Raketenkörper bei den Landungen, gefolgt vom jeweiligen Aplaus und Jubel der Startgruppen. Mit Stoppuhren wurden die Flugzeiten gemessen, verglichen werden konnten Raketen mit Schwerpunkt in der Spitze und Raketen ohne Schwerpunkt sowie die unterschiedlichen aerodynamischen Flügel, die angeklebt waren.

Das Beste am Wasserraketen-Abschusstag war, dass Klaus von Storch, erster Astronautenanwärter Chiles und sein Kollege Paul Scott ,,Paco” Lockhart, ISS-Expeditionsleiter und NASA-Astronaut, zu Gast waren. Beide haben eine Ausbildung in den USA erhalten uns redeten Deutsch mit den Schülern. Lockhart tat das unter großartiger sympathischer Sensibilität und Anstrengung zugleich und begeisterte sein Publikum dadurch nicht nur inhaltlich. Klaus von Storch sprach daneben eher wie selbstverständlich auf Deutsch und da erlebte man in der Kombination der beiden Weltraum-Veteranen, was Sprache manchmal wie von selbst tut, ohne dass es jemand bemerkt, dass sie nämlich in den Hintergrund treten kann, dass sie sich hin und wieder verdrückt, verschwindet, abtaucht… und der Inhalt dann zum Erlebnis wird und zur Erinnerung und Erfahrung.

Auf diesem Blog hier wollen wir hier gemeinsam Schreibenden über unser eigenes Lernen als Lehrerinnen und Lehrer reflektieren und diese Erfahrungen teilen. Für den Deutschsprachigen Fachunterricht (DFU) war der ,,Raketen-Tag” der DS insofern eine wertvolle Erfahrung für unsere DFU-Lehrer, weil sich einmal mehr zeigte, dass der handlungsorientierte Unterricht super geeignet ist, die Motivation für das Fach trotz Fremdsprache zu erhöhen. Immer wieder hört man die Redewendung, das Leben sei zu kurz, um Deutsch zu lernen. Aber es ist anders, es ist eher so, dass das Leben zu kurz ist, um sich von Sprachbarrieren aufhalten zu lassen.

Unsere Schülerastronauten und ihr Physiklehrer sind heute mit ihrem Deutsch nicht auf dem Mond gelandet, nein, ihnen ist etwas anderes Sinnvolles gelungen. Sie haben sich von ihren Sprachhindernissen befreit und vergessen, dass sie auf Deutsch kommunizieren, um etwas Spannendes zu erleben und das war lehrreich und schön zu beobachten.

Eine kräftige Prise Lebensweltnähe

Nachdenklich aktionslustig, zurückhaltend lospreschend, abwartend durchstartend, irritiert umorientiert, seltsam inspiriert, gleichermaBen ratlos und sprachlos und aber auf jeden Fall jetzt-aber-los.

So oder so ähnlich könnte man den inneren Zustand nach einer Woche ReFo ,,Digitalisierung und individualisiertes Lernen” beschreiben. Erkannt haben, nein, zugeben muss man: Warum habe ich nicht früher erkannt, erkennen wollen, dass es noch mehr gibt, als Schüler mit PowerPoint und Internetrecherchen zu beglücken, dass es überhaupt gar kein ,,Zutritt verboten!”-Schild vor der Social Media Welt für Lehrer in ihrer Rolle gibt und es auch noch anders cool gelingen könnte, Unterricht auf Deutsch stattfinden zu lassen und durch eine kräftige Prise Lebensweltnähe zu erweitern.

Die Zukunft im Klassenzimmer findet heute schon statt. Sie ist digital und analog zugleich. Wie wird das im 22. Jahrhundert sein?

Hoffentlich war diese ReFo erst der Anfang einer neuen Phase meines Lehrerlebens. Ja, es gibt Methoden ohne Ende da draussen, die so wundervoll schnelllebig vielleicht auch schon morgen wieder verschwunden sein mögen, schon klar, aber darum ging es gar nicht in dieser Woche….

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Erklärfilm-Wettbewerb der DS Santiago – Materialien

Anbei findest du Materialien der Deutschen Schule Santiago für die Initiierung eines Erklärfilm-Wettbewerbs an deiner Schule. Danke schon vorab für Rückmeldungen, Tauschmaterialien, Anmerkungen und Anregungen aller Art!

2017 wurden 44 Erklärvideos eingereicht, die auf Deutsch Unterrichtsinhalte thematisierten. In der Auswahl-Jury für die Gewinnervideos waren Schüler und Lehrer beteiligt. Hier die drei Gewinnervideos in einem zeitgerafften Zusammenschnitt, der am Acto Civico zum Schuljahresende 2017 vor der Schulgemeinschaft gezeigt wurde. Die Top-Platzierten wurden am Acto prämiert und gewannen einen Tag Klettern mit Freunden. Darüber drehten sie wieder ein Video…

Materialpool

Filmwettbewerb – Infomail – Deutsch-2a594g9

Filmwettbewerb – Infomail – Spanisch-1ur8s92

Filmwettbewerb – Präsentation für Ori – Deutsch-2jt3qyu

Filmwettbewerb – Präsentation für Ori – Spanisch-1264wow

Film-Wettbewerb Konzept-12121xl

Plakat Hochformat-1ml6xhp

Plakat Oskarverleihung-14crudf

Aber ich bin doch mit der Tafel verheiratet

Umstellung ist eine Untertreibung für das, was ich mit mir machen müsste. Was ich machen muss. Bin ich dazu überhaupt in der Lage? Einfach die Kreide aus dem Fenster schmeiBen oder was? Es wird sehr unbequem, meine derzeitigen Gewohnheiten alle zu überdenken. Wer hilft mir an meiner Schule dabei? Vielleicht höre ich mehr auf die Schüler? Oder sollte ich einfach mal runterkommen und alles kühl überdenken, bin ich noch zu voll von frischen Eindrücken? Denn, nach dem gestrigen Tag sage ich: Ich sehe schon die Notwendigkeit mehr zu digitalisieren, ja! Wo war denn diese Einsicht all die Jahre? Und wie könnte ich das richtige MaB finden, schlägt das ,,digitale Pendel“ in meinem Kopf gerade zu extrem aus? Kracht es morgen deswegen um so extremer rein in irgend so ein analoges Mauerwerk, das Kollegen und Schüler um einen digital zu aktionistischen Lehrer errichten?

Das klassische Tafelbild: Droht der Tod durch Digitalisierung?

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