Erklärs’ doch einfach!

Dass Erklärfilme aktuell voll im Trend liegen, wäre milde ausgedrückt eine Untertreibung, denn das klingt schon fast, als könnte dieser Trend plötzlich wieder verschwinden. Man fragt sich als Lehrer neuerdings, wo Schüler eigentlich mehr lernen, im Unterricht oder zuhause vor dem Youtube-Channel, wo einem Gott und die Welt auf völlig neue, schnelle, unterhaltsame, leichte, tiefe, seichte, richtige und leider manchmal auch völlig falsche Weise erklärt wird. Erklärfilme aller Art kursieren im Netz als Fakenews, politische Einmischung, wissenschaftlicher Grabenkampf, Selbstdarstellung etc. und sollten in der Schule deshalb unbedingt eine Rolle spielen.

Doch welche Rolle können Lernvideos hier einnehmen? Gibt es nicht schon genug solcher Filme da draußen? Alleine im deutschen Sprachraum versuchen sich Tausende daran, ein grösseres Publikum als ihren unmittelbaren Dunstkreis mit selbstgedrehten Videos zu beglücken. Junge Menschen im Schüleralter erklären dabei meistens Lebensweltthemen, aber auch Schulisches und das alles in den letzten Jahren in technisch-schulmeisterlicher Perfektion, dass einem die Kinnlade vor Staunen herunterklappt. Hinzu kommt, dass es mittlerweile, dutzende Pädagogen, ganze Schulen und sogar einige Schulbuchverlage gibt, die Videos zum Lernen generieren oder mit eigenen Videoservern und -formaten aufwarten. Erklär mir die Welt gibt’s somit als Film, wozu sollen Schüler der DS jetzt also auch noch so etwas erstellen?

Der Grund ist ganz einfach: Lernvideos können schlicht den Wissenserwerb fördern, den Unterhaltungsfaktor liefern und technisches Lernen durch das Erstellen von Erklärvideos ermöglichen. Selbstverständlich bieten Erklärvideos auch in Bezug auf sprachliches und soziokulturelles Lernen unglaublich viel Potenzial. Der Clou ist aber nicht allein das Anschauen von Erklärvideos, wodurch man etwas lernen kann, nein, man lernt natürlich am meisten durch das Erstellen und zwar mehr, als nur den eigentlichen Inhaltsfokus der Videos. Man lernt, wie man es technisch und als Gruppe hinbekommt, ein solches Video zu erstellen. Daher brauchen wir mehr Erklärvideos, es gehört irgendwie schon zum Grundwissen heutzutage dazu, dass man sich auch digital ausdrücken kann.

Der 2. Erklärfilmwettbewerb der Deutschen Schule Santiago setzt hier an. Im Fokus der Jury stand die Erstellung der Erklärfilme, die nach bestimmten Kriterien ausgerichtet werden musste. Diese Kriterien waren, dass Deutsch gesprochen wird, dass alle Filmersteller sprechen sollen, dass der Vorgang richtig und unterrichtsbezogen erklärt werden musste und dies auf eine verständliche Weise. Diese Kriterien umzusetzen war nicht leicht, aber die Siegerehrung und die Ergebnisse sprechen für sich. In den über 50 eingereichten Filmen der Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 1 bis 12 spielten Fragen eine Rolle, wie etwa, was ist eigentlich der Unterschied zwischen „dass” und „das”? Wie funktioniert die lichtunabhängige Reaktion der Photosynthese? Welche Verkehrsregeln müssen wir auf dem Schulweg beachten? Bildet das Internet die Realität ab? Wie funktionieren Atomkraftwerke? Warum sind Bienen wichtig für die Welt? Wie rechnet man schlau? Warum sind Metalle biegsam? Oder: Warum feiern wir ausgerechnet am 3. Oktober den Tag der Deutschen Einheit? Schüler aus dem chilenischen und aus dem deutschen Bildungsgang reichten Videos ein. Sogar eine erste Klasse hat mitgemacht.

Ende März war es soweit: Die besten Filmemacher aus dem Deutschen und aus dem Chilenischen Bildungsgang wurden mit tollen Sachpreisen von Schulleitung, Schülerjury und Elternschaft prämiert. Neu hinzu kam in diesem Jahr die Sonderkategorie ,,Bestes Musikvideo”, in dem sich alles um den Tag der Deutschen Einheit dreht.
Doch nun, seht selbst!

 

Lehrerkollegium durch übermotivierte IT-Koordinatorin erschlagen

Mein Handy, auf dessen Desktop bis vor wenigen Tagen nur eine WhatsApp, eine Facebook und eine Google App figurierte, sieht sich nun von Apps überhäuft. Ich, hochmotiviert und bereit, alles Erlernte am liebsten gleich besser gestern als heute umzusetzen. Dazu kommt, dass ich morgen meine neue Arbeit als IT-Koordinatorin an einer neuen Schule aufnehme. Das passt doch alles bestens!

Naja, wenn ich es mir mit meinen neuen Arbeitskollegen vom ersten Tag an verscherzen will, dann ist dies "the way to go". Aber da ich gerne etwas länger an der Schule bleiben möchte, ist wohl eher Behutsamkeit gefragt.  Kaum einer würde sich bei mir bedanken, wenn ich mit der Tür ins Haus, beziehungsweise in die Schule, fallen würde. 

Glücklicherweise wurde dies an der Weiterbildung thematisiert und mein erster Schritt wird somit eher eine Ist-Analyse sein, um mir einen Überblick über die elektronischen Gegebenheiten an der Schule und deren Umsetzung zu verschaffen.

NOT ALONE

Eine wesentliche Erkenntnis der drei Seminartage ist die, dass das Thema “digitales Lernen” zu groß, zu komplex und zu bedeutsam ist, um, mit Enthusiasmus geladen, aus der Hüfte zu schießen.

Was also wird meine erste Aufgabe sein? Denken. Damit ist insbesondere strategisches Denken gemeint. Was ist das Ziel? Wieviel Zeit habe ich zur Verfügung?Wer sind die Stakeholder, wer die Schlüsselpersonen. Wie spreche ich sie wann an?

Und: Ich will zunächst eigene Erfahrungen mit einigen hier besprochenen Tools sammeln, auch um Schwierigkeiten zu identifizieren, für die ich bei der Multiplikation von Ideen sogleich Lösungen anbieten kann.

In den nächsten Tagen suche ich Gespräche auf der Leitungsbene und mit den “early Adaptern” und finde hoffentlich die erfolgreiche Argumentationstaktik.

Things to do

In der Fortbildung habe ich viele Anstöße erhalten können, die es auszuprobieren gilt. Wenn in der nächsten Woche die Klausuren korrigiert und Noten eingetragen sind, werde ich die paar Tage bis zu den Abiklausuren nutzen, um meine Unterrichtsplanungen fortzuführen. Und ich glaube, dabei nochmal verstärkt digitale Medien einzusetzen und auszuprobieren. Im Team-Teaching mit Maria in Geschichte und in dem mit Evelina in MINT kann man dann Sachen gemeinsam ausprobieren und bilingual amplifizieren…. – bin mal gespannt!

 

Der technologische Fortschritt fährt ICE

Der technologische Fortschritt fährt ICE und unsere Schüler fahren in der ersten Klasse mit. Die Schule fährt allerdings im D-Zug hinterher. Wir Lehrer müssen sofort am nächsten Bahnhof Refo Goethe umsteigen, damit wir noch mitfahren können. Sonst überlassen wir unsere Belehrungs-, Erziehungs- und Integrationsfunktion anderen, und die Schule ist dann schnell vom Aussterben bedroht!